Barrique - besser als Kautabak?
Es soll Leute geben, die kauen lieber auf einem Stück Holz herum und schlucken den Saft dann runter, anstatt einen guten Wein zu trinken. Das ganze passiert, wenn der Wein in einem Holzfass (Barrique) reift.

Barrique
Zeichner: Roger Schmidt
Alternativ kann man in den Wein aber auch Sägespäne aus Eichenholz kippen und dass Ganze dann 6-12 Monate später durch ein Sieb kippen. Naja, man kann natürlich auch gleich die Chemikalien reinschütten, aber das wäre ja Weinpanschen. Wobei es in der Sprache der Lebensmitteltechnologie sicherlich noch ein eleganteres Wort dafür gibt... Was passiert eigentlich beim Barrique-Ausbau? Der Wein erfährt nur noch eine gezügelte Oxidation, was sich auf seine Reife auswirkt. Eine Analogie wäre, einem Beamten kontinuierlich eine konstante Menge Sauerstoff zuzuführen, wodurch die Büroschlafzeit deutlich verringert werden würde. Durch den längeren Wachzyklus kann der Beamte dann mehr arbeiten, lernt z.B. neue Formulare kennen. Das nennt sich dann Reifung. Im Gegensatz zum Beamten liefert das Holz (seien es Fassdauben oder Chips) dem Wein ein paar neue Geschmacknoten hinzu. Vanille und Röstaromen zum Beispiel. Was zur größeren Beliebtheit dieser Weine führt. Im Allgemeinen haben die dann einen sehr wuchtigen Ausdruck. Von einer größeren Beliebtheit bei einem Beamten kann man nach einer erfolgten Reifung nicht unbedingt sprechen, denn hier führt die Verwendung von mehr Holz zu einem noch größeren Dickschädel. Vielleicht hinkt diese Analogie, weil man das Holz nämlich gerne ankohlt, also röstet. Jeder Versuch, das gleiche mit einem Beamten zu machen, hat doch immer so große Folgen, dass man für ein paar Jahre keinen Wein mehr genießen kann, was ja auch nicht Sinn dieser Methode sein kann... Fakt ist aber auch, dass man Wein im Barrique oder in Chips nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Selbst die besten Verkosten tun sich da mächtig schwer. Und da das so ist, stellt sich mir die Frage: Wein trinken oder an einem Lattenzaun herum kauen?

